Beinlinge und Hose

Die im 11. Jahrhundert aufkommenden Beinlinge (in Verbindung mit der Bruche) verdrängten allmählich die "germanische" Hose. Beinlinge sind quasi lange Wollstrümpfe mit oder ohne Fußteil, die am Bruchengürtel oder der Bruche mittels Nestelbändern befestigt wurden. Man kann sich das durchaus, wie eine Art mittelalterlicher Strapse vorstellen. Die Beinlinge waren sehr eng und beinbetont geschnitten. Allerdings gehe ich davon aus, dass sie nicht ganz so eng waren, wie es manche zeitgenössische Abbildung glauben machen will.

Beinlige und BrucheUm die enge Passform mit immer noch praktischer Bewegungsfreiheit zu erreichen werden die Beinlinge aus dem Wollstoff quer zum Fadenverlauf zugeschnitten, was sie relativ elastisch macht (also doch: Männer in Strumpfhosen ;-)) Beinline gab es wahrschenlich sowohl mit angeseztem Fuß als auch nur mit Steg, evtl. sogar ohne das eine oder andere.

Gaewfrics Beinlinge sind aus dunkelgrauer ungefärbter Wolle und mit naturfarbenem Leinengarn genäht.

Beilinge gerolltMan mag sich nun fragen: "Warum haben die Leute plötzlich auf die Hose verzichtet und sich diese komischen Dinger angezogen?" Nun, ich denke, diese Frage wird sich nicht endgültig klären lassen. Aber modische Auffassungen haben dabei sicher eine gewisse Rolle gespielt. Vergessen sie nicht, welche bei nüchterner Betrachtung völlig sinnlosen, häufig grotesken Modeerscheinungen sich der moderne Mensch beizeiten hingibt.

KniebandAllerdings haben Beinlinge gegenüber den Hosen einen großen Vorteil. Gerade im Sommer, wenn es sehr heiß ist, kann man sie einfach bis zum Knie runterrollen und wenn es etwas kühler wird, wieder raufziehen. Oder mann zieht sie ganz aus uns trägt eben nur die Bruche (siehe auch im Kapitel "Unterhemd und Bruche")

Zum besseren Halt und um den Zug von den Bruchenbändern zu nehmen, können die Beinlinge am Knie mit einem zusätzlichen Band gehalten werden. Das Band besteht in Gaewfrics Fall ebenfalls aus Wolle und ist in Fingerloop Technik hergestellt.

Thorbjerg HoseDennoch kann man wohl davon ausgehen, dass es die Hosen (in der Art wie wir sie als solche bezeichnen würden) auch zu Gaewfrics Lebzeiten - zumindest bei der normalen Bevölkerung, deren HoseModebewustsein zwangsläufig eher von praktischen Gesichtspunkten geprägt war - noch gegeben haben wird. Daher trägt Gaewfric sowohl Bruche und Beinlinge (vorzugsweise im Sommer) als auch Hosen (im Winter oder bei militärischen Einsätzen).

Erst im Verlauf des späten 11. bzw. beginnenden 12. Jahrhunderts wurden die Hosen gänzlich von der Kombination Bruche/Beinlinge verdrängt. Das blieb so bis sich daraus im Laufe des 15. Jahrhunderts aus den immer länger werdenden Beinlingen wieder die Hose entwickelte.

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